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Das Gute, das Schlechte und das Hässliche in Lichtdesign und Architektur

Ruairí O’Brien

Wir sitzen als Lichtplaner in unseren Büros und schauen uns in schönen Hochglanzmagazinen schöne Bilder von schönen Beleuchtungsszenarien an. Wir lassen uns von den Möglichkeiten inspirieren, die uns neue Beleuchtungstechnologien bieten und träumen von den schönen Projekten, die auf uns warten.

Die Realität holt uns ein, sobald wir die meisten unserer öffentlichen Gebäude, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Banken, Büros und sogar, traurig, aber wahr, die Wohnungen unserer Freunde und Familien betreten. Billiges und nicht so billiges, schlechtes, grelles, dumpfes und gruseliges Licht, wohin man schaut. Schlechte Tageslichtplanung und veraltete Kunstlichtkonzepte verunstalten unsere Innenräume und nachts zerstört die unbedachte Lichtgestaltung unsere romantischen und spielerischen Begegnungen.

Die Betonung der Effizienz hat die Situation in den letzten Jahren nicht verbessert (manche haben dies sogar mit Lichtdesign verwechselt). Die lange Tradition, die Beleuchtungsplanung Technokraten zu überlassen, hat die negativen Auswirkungen einer schlechten Beleuchtung auf unsere Gebäude, Städte und Gemeinden beschleunigt. Der Technokrat hat oft Schwierigkeiten, die philosophischen und ästhetischen Dimensionen einer guten Beleuchtung zu erfassen. Sie bespötteln die „Kunst“ der Beleuchtung, da Menschen oft über Dinge lästern, vor denen sie Angst haben oder die sie nicht verstehen.

Angesichts der riesigen Auswahl an neuen Technologien, die uns heute zur Verfügung stehen, ist die Beleuchtung zu wichtig, um sie fantasielosen Menschen zu überlassen. „The Times They Are A-Changin..“ sang Bob Dylan, und dies könnte eine Inspiration für die Beleuchtungsindustrie, Politiker und Entscheidungsträger sein, ein Weckruf für eine wirklich auf den Menschen ausgerichtete Beleuchtung. Bei der Lichtplanung geht es, wie in allen Bereichen der Kultur, Musik, Wissenschaft oder Kunst, darum, das Fassbare und das Nicht-Fassbare zusammenzubringen. Der Lichtplaner bringt die „Kunst“ der Beleuchtung und die Technik zusammen. Nur mit diesem ganzheitlichen und humanistischen Ansatz können wir einen menschenzentrierten Umgang mit Licht schaffen. So wie Worte und Grammatik allein keine Literatur hervorbringen können, geht es bei der erfolgreichen Planung von Licht nicht nur um Energieverbrauch und Lichtquellen, sondern auch um die Qualität des Lichts hinsichtlich der Stimmung und der Emotion, die es hervorrufen kann. Hierin liegt die Bedeutung von menschengerechtem Licht, einem Licht, das gesund für Körper, Geist und Seele ist.

Gutes Licht kann den einfachsten Gebäuden etwas Göttliches verleihen. Licht ist der König der Raumgestaltung und kann bescheidene Räume und Strukturen auf eine andere architektonische Ebene heben. Eine gute Tageslichtplanung und eine gute künstliche Beleuchtung sind der kostengünstigste Weg, um qualitativ hochwertige Räume zu schaffen, in denen die Menschen gerne leben, arbeiten und spielen. Aus diesem Grund werden Lichtplaner zum zentralen Gestaltungsberuf in der Bauindustrie. In Zeiten von BIM, modularem Bauen, schwindenden Ressourcen und dem Internet der Dinge müssen Lichtdesigner in die Bresche springen und eine führende Rolle im Designteam spielen. In der Zukunft wird die „Heavy-Ugly-Vanity-Architektur“, kurz HUVA, in den Hintergrund treten und eine neue Welt der Lichtdesign-Architektur mit einem Mix und Cross-Over von virtuell und real an ihre Stelle treten. Vielleicht nennen wir dies die Zeit der lichttektonischen Architektur und des lichtzentrierten Designs, in dem Gebäudefassaden, Innenräume und öffentliche Räume, Städte und Gemeinden mit intelligentem Einsatz von Licht und Schatten als zentrale Idee gestaltet werden.

In der Lichtplanung ist effizient nicht gleichbedeutend mit effektiv, erfolgreich oder gar nachhaltig. Wenn Menschen den beleuchteten Raum nutzen, ihn genießen und zu ihm zurückkehren, dann sprechen wir von langfristiger Nachhaltigkeit. Ein Marktplatz erfordert andere Beleuchtungsszenarien, die mehr Geld kosten und mehr Energie verbrauchen als ein Parkplatz. Schließlich haben Sie in Ihrem Wohnzimmer nicht die gleiche Beleuchtung wie in Ihrer Garage.

Dieser Text wurde erstmals in TiL (Trends in Lighting) 2017 veröffentlicht.

Vier Jahre später, mit dem Aufkommen von Corona und dem daraus resultierenden gestiegenen Bewusstsein für die Bedeutung einer guten Beleuchtung in Büros und Heimbüros, der stärkeren Nutzung des öffentlichen Raums mit ausreichender Beschattung am Tag und „dunkelheitsfreundlicher“ Beleuchtung in der Nacht, ist dieser Text aktueller denn je. Hinzu kommt, dass das gestiegene Interesse und Bewusstsein für umweltfreundliche Stadt- und Architekturkonzepte ein größeres Verständnis für ressourcenschonende Beleuchtungsdesignlösungen und -philosophien erfordert.

The „Times Continue to Change“…

Ruari O´Brian, Geschäftsführer von Architektur + Licht + Raumkunst, Dresden, Deutschland

Die Lindauer Thesen

Die Lindauer Thesen/The Lindau Propositions

FILD stellt die Forderungen zur Zertifizierung des Berufsfeldes und zur Qualitätssteigerung  der Lichtgestaltung auf dem PLDC pre-convention meeting der Lighting Designers´ Associations in Rotterdam vor.

FILD presents the requirements for the certification of the professional field and for improving the quality of lighting design at the PLDC pre-convention meeting of Lighting Designers‘ Associations in Rotterdam.

In Lindau, Bayerns Leuchtturm am Bodensee, trafen sich die Mitglieder der FILD im Oktober 2018, um zentrale Forderungen an die Lichtgestaltung und -planung zu diskutieren und Vorschläge des Verbandes in die Öffentlichkeit zu bringen. Das Ergebnis sind die „Lindauer Thesen 1+2“, die sich der Zertifizierung des Berufsfeldes und der Qualitätssicherung der Lichtplanung widmen. Mit weiteren Aktionen in den kommenden Jahren verstärkt FILD -Federation of International Lighting Designers- die Kenntnis von Nutzen und Bedeutung der qualifizierten Lichtplanung im deutschsprachigen Raum.

In Lindau, Bavaria’s lighthouse on Lake Constance, members of FILD met in October 2018 to discuss the principal requirements for lighting design and planning and to put forward the association’s suggestions to the public. The result was the “Lindauer Thesen 1+2”, propositions dedicated to the certification of this professional area and achieving Quality Assurance in lighting design.

 

Lindauer Thesen 1 – Zertifizierung des Berufsfeldes:

  1. Lichtdesigner muss ein anerkannter Beruf mit geschütztem Berufstitel werden.
  2. Das Leistungsbild für Lichtdesigner muss eindeutig definiert werden.
  3. Auf dieser Basis wird eine eigene Honorarordnung (HOLD) entwickelt.
  4. Basis für den Berufstitel sind verbindliche Ausbildungsstandards nach Bologna-Kriterien, konkret ein Masterstudiengang „Architectural Lighting Design“.
  5. Es sollen europaweit einheitliche Lehrinhalte für dieses Studium entwickelt werden;   Referenz hierfür ist der Masterstudiengang „Lighting Design“ der Hochschule Wismar.
  6. Der Master-Studienabschluss „Lighting Designer MA“ berechtigt zum Berufstitel.

 

Lindau Propositions 1 – Certification of the Profession:

  1. Lighting design must become a recognised profession with a protected professional title.
  2. The scope of lighting designer must be clearly defined.
  3. On this basis, a proprietary fee structure (HOLD) will be worked out.
  4. The basis for the professional title will be obligatory educational standards according to Bologna criteria, specifically a Master’s degree in “Architectural Lighting Design”.
  5. Course material will be developed so as to be consistent across Europe; the reference for this shall be the Master’s degree in “Lighting Design” at Hochschule Wismar.
  6. Completing the Master’s degree “Lighting Designer MA” confers entitlement to professional status.

 

Lindauer Thesen 2 – Qualitätssicherung der Lichtplanung:

  1. Wir treten für eine vertiefte Grundlagenforschung zum Phänomen Licht ein.
  2. Lichtdesign muss als technisch-gestalterisches Fachgebiet Anerkennung finden.
  3. Dazu braucht es ein Masterstudium mit festgelegten Inhalten (s. o.).
  4. Analog zur Akustik ist auch Lichtdesign als Pflichtfach in allen (bau-, elektro-) technischen und gestalterischen Studiengängen von Universitäten und Fachhochschulen zu etablieren.
  5. Unabhängige Lichtdesigner sind in alle Entwicklungs- und Gestaltungsbereiche des öffentlichen Lebens einzubeziehen.
  6. Die Normierung von Leuchtkörpern und Lichtquellen entspricht nicht mehr dem Stand der Technik und ist deshalb an neuesten und physiologisch sinnvollen Lichtqualitäten anzupassen und zu ergänzen.

 

Lindau Propositions 2 – Quality Assurance in Lighting Design:

  1. We speak up for deeper fundamental research into the phenomenon of light.
  2. Lighting design must achieve recognition as a technical and creative area of expertise.
  3. This will require a Master’s degree with defined course content (see above).
  4. In a manner analogous to acoustics, lighting design should also be established as a mandatory subject in all (construction, electrical) technical and creative courses at universities and technical colleges.
  5. Independent lighting designers should be involved in all areas of development and design relevant to public life.
  6. The standards applied to illuminants and light sources no longer reflect the technical state of the art and should therefore be adjusted and amended to the latest, physiologically relevant qualities of light.

FILD Partner Association of PLDC 2019

We are happy to announce that FILD has accepted to be a Partner Association of PLDC 2019.

PLDC stands for Professional Lighting Design Convention.

What is PLDC all about?

This annual Convention was created for the global lighting design market. Lighting designers, architects, researchers, universities, industry, and clients use PLDC as a platform to meet, learn about the latest developments in lighting design, and discuss the future of the lighting profession. PLDC stands for high-quality knowledge transfer and international networking opportunities.

The conference will be in Rotterdam this year from 23.-26. October.

More Information: https://2019.pld-c.com